Asthma und Allergie

Atemlos im Frühling - was hilft?

Kurzatmigkeit, Husten, pfeifende Atmung – am Anfang denken Betroffene vielleicht noch an eine Erkältung. Doch wenn zu den Symptomen noch Atemnot kommt, kann es sich um (allergisches) Asthma handeln.

Selbsthilfetipps für den Alltag.

Heuschnupfengeplagte trifft es in diesem Jahr hart: Der milde Winter hat zu einer besonders frühen Blüte geführt; die Hasel z.B. war schon im Dezember aktiv. Außerdem könnten sie von Juli bis Oktober von einem aggressiven Spätblüher gequält werden, der ebenfalls vom Klimawandel profitiert: die noch relativ unbekannte nordamerikanische Pflanze Ambrosia artemisiifolia - eigentlich ein Unkraut. Vermehrt sie sich weiter ungestört, könnte sie in Zukunft für eine fast ganzjährige Pollensaison sorgen.

Wenn bei Allergikern zu den eh schon lästigen Symptomen auch noch Husten, pfeifende Atmung und Kurzatmigkeit kommen, sollten sie das ernst nehmen, denn es kann sich um allergisches Asthma handeln. Diese "atemraubende" Krankheit kann sich aus einer bereits bestehenden Allergie entwickeln, aber auch Menschen treffen, die noch nie mit Heuschnupfen oder anderen Allergien zu tun hatten.

Vom Heuschnupfen zum Asthma

Allergien kommen - und sie können auch wieder gehen. Häufig gibt es aber eine gegenteilige Entwicklung: Wenn Allergien nicht behandelt werden, haben sie die Neigung, sich zu verschlechtern und chronisch zu werden. Besonders gefürchtet ist der so genannte Etagenwechsel, bei dem eine Allergieform in eine andere übergeht. Typisches Beispiel ist der Übergang vom Heuschnupfen zum Asthma: Ganze 30 Prozent aller Pollenallergiker entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung ein allergisches Asthma. Auch Kinder, die im Säuglings- und Kleinkindalter Neurodermitis hatten, bekommen später relativ häufig Asthma.

Wichtig: Gehen Sie mit dem Verdacht auf eine Allergie rechtzeitig zum Arzt. Es wichtig, dass Allergien rechtzeitig erkannt und fachgerecht behandelt werden!

Was ist allergisches Asthma?

Die beste Therapie: die Allergene meiden

Ganz allgemein versteht man unter Asthma eine chronische Entzündung und Überempfindlichkeit der Bronchien (Luftröhrenäste). Die Schleimhaut der Atemwege reagiert krankhaft auf verschiedene Reize, schwillt an und produziert vermehrt zähen Schleim. Die Folgen sind Anfälle von Atemnot, Husten und Kurzatmigkeit, die immer wieder auftreten.

Generell gibt es zwei verschiedene Asthma-Formen, das allergische (extrinsische) und das nichtallergische Asthma (intrinsische Asthma); aber auch Mischformen sind möglich. Beim nichtallergischen Asthma lösen Atemwegsinfekte die Beschwerden aus, aber auch andere Reize wie Kälte, Stress oder starke Gerüche.

Beim allergischen Asthma, der häufigsten Variante, reagieren die Atemwege mit einer heftigen Abwehr auf eigentlich harmlose Stoffe: Auslöser sind vor allem Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare und Nahrungsmittel. Bei Erwachsenen können auch Berufs-Allergene die Auslöser sein. Ein typisches Beispiel ist das Bäckerasthma, bei dem die Betroffenen auf Mehlstaub überreagieren.

Wie erkennt man allergisches Asthma?

Das allergische Asthma unterscheidet sich in seinen Symptomen kaum von der nichtallergischen Form. Es kommt zu Kurzatmigkeit, pfeifenden Geräuschen beim Ausatmen (Giemen), Hustenanfällen (mit Auswurf von zähem Schleim) und Engegefühl. Zusätzlich können typische Beschwerden anderer Allergien hinzukommen, nämlich Niesreiz, verstopfte Nase, tränende Augen, Schnupfen und Jucken (in der Bindehaut). Die Symptome können fast schlagartig einsetzten, z.B. wenn ein Betroffener einen Reitstall oder eine Wohnung mit Katzen betritt.

Selbsthilfe: Tipps für den Alltag

Wenn die Ursachen des allergischen Asthmas gefunden sind, muss die Erkrankung konsequent behandelt werden. Wichtig ist es vor allem, die auslösenden Allergene zu vermeiden und die eigene Wohnung möglichst frei von Allergenen zu halten:

Pollen: Informieren Sie sich durch Pollenflugvorhersagen, wann sie möglichst wenig aus dem Haus gehen sollten und halten sie die Fenster in dieser Zeit tagsüber geschlossen (Lüften nur zu Zeiten, an denen wenige Pollen fliegen: in der Stadt zwischen sechs und acht Uhr morgens, auf dem Land zwischen 19 und 24 Uhr). Verhindern Sie durch Pollenfilter, dass Pollen ins Auto gelangen; Pollenschutzgitter an Fenstern können mindestens 85 Prozent der Flugsamen abhalten. Duschen Sie am Abend, um die Pollen aus den Haaren zu entfernen und entkleiden Sie sich außerhalb des Schlafzimmers; saugen Sie regelmäßig die Teppiche (Staubsauger mit Filter) und wischen sie Staub (feucht!).

Hausstaubmilbenkot: Verbannen Sie unnötige "Staub- und Milbenfänger", wie Teppiche, zusätzliche Kissen, Überdecken und dicke Vorhänge aus Ihrem Schlafzimmer, halten sie den Raum kühl und trocken, waschen Sie die Bettwäsche regelmäßig bei mindestens 60°C. Auch regelmäßiges Lüften und Staubsaugen der Wohn- und Schlafräume hilft.

Tierallergiker sollten keine Haustiere haben, vor allem keine Katzen und Nagetiere; Hunde sind weniger allergen.

Nahrungsmittel: Besteht der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie, sollten diese Nahrungsmittel bis zur Abklärung beim Arzt gemieden werden. Für Grundnahrungsmittel, die nicht ersatzlos aus dem Speiseplan gestrichen werden können (Beispiel Kuhmilch), muss ein (kalzium- und eiweißreicher) Ersatz gefunden werden (zum Beispiel Ziegen- oder Schafsmilchprodukte). Das ist besonders für Kinder wichtig. Ihnen sollten Lebensmittel nur dann vorenthalten werden, wenn tatsächlich eine Unverträglichkeit nachgewiesen wurde.

Entlastung Urlaub: Die beste Urlaubszeit für Pollenallergiker ist die stärkste Pollenflugzeit am Wohnort, die besten Ziele sind Orte im Hochgebirge oder an der Küste. Dort ist die Pollenbelastung am geringsten.  Optimal bei allergischem Asthma: regelmäßiges Schwimmen

Sport: Sport und allergisches Asthma schließen sich nicht aus. Im Gegenteil, es kann sogar von Vorteil sein. Allerdings kommt es ein bisschen auf die Sportart und die Umstände an: Obwohl sich Ausdauersportarten wie Joggen und Radfahren gut eignen, sollten Pollen-Allergiker nicht zur Hauptpollenflugzeit draußen "sporteln". Regelmäßiges Schwimmen hat sich bei allergischem Asthma als besonders vorteilhaft erwiesen. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit direkt über der Wasseroberfläche können sich die Schleimansammlungen in den Bronchien gut lösen.

Die medikamentöse Therapie

Asthma lässt sich heute gut medikamentös behandeln. Es kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz, und zwar solche, die:

  • die verengten Atemwege direkt entspannen und entkrampfen: so genannte Bronchodilatatoren.
  • die chronische Entzündung beeinflussen: so genannte Glukokortikoide.
  • die Überempfindlichkeit gegen die auslösenden Stoffe vermindern: Antiallergika.
  • die das Abhusten des zähen Schleims verbessern.

Asthma vorbeugen

Es gilt heute als belegt, dass übertriebene Hygiene das Entstehen von Allergien bei Kindern fördert. Studien beweisen, dass Kinder, die auf dem Land aufwachsen, 15-mal seltener an Asthma und Allergien leiden. Das Immunsystem scheint für eine gute Balance die frühzeitige Auseinandersetzung mit Allergenen (z.B. von Tieren) zu benötigen. Außerdem wichtig: möglichst langes Stillen und eine rauchfreie Umgebung.

Bei allergischem Asthma wird auch die Desensibilisierung (spezifische Immuntherapie/SIT) gegen den asthmaauslösenden Reizstoff erfolgreich eingesetzt. Dabei wird das Allergen über einige Jahre hinweg in langsam steigender Konzentration verabreicht. Allerdings muss sich die Allergie auf einen oder wenige Stoffe beschränken - eine Desensibilisierung bei multiplen Allergien gelingt nicht.

Ihre Allergologin

Ärztin Sieglinde Thießen
Ärztin Sieglinde Thießen