Abnehmen mit Vernunft

Lebensstil ändern statt hunger. Viele Menschen nehmen den Beginn der Fastenzeit zum Anlass, ein paar überflüssige Pfunde loszuwerden. Ob mit Glyx-Diät, Trennkost oder Pulver: Wie lässt sich am besten gegen die lästigen Pölsterchen angehen? Ernährungsberater Carsten Mätze weiß, wie Sie abnehmen können

Mehr als die Hälfte der Deutschen ist übergewichtig und versucht sich immer wieder an einer Diät. Das Angebot an Abnehmkuren ist riesig, doch keine kann tatsächlich dauerhaften Erfolg garantieren. Das Geheimnis liegt darin, nicht mehr Energie zu sich zu nehmen als benötigt wird. Denn überschüssige Energie wird in Form von Fett abgespeichert.

Von "Nulldiät" wird abgeraten 

Aus gesundheitlichen Gründen hält Mätze das Fasten im ursprünglichen Sinne, das heißt, den völligen Verzicht auf Nahrung, für bedenklich. Wenn der Körper diese "Nulldiät" nicht gewohnt ist, kann der Stoffwechsel zusammen brechen.

Diäten ziehen oft den berühmten Jo-Jo-Effekt nach sich. Während einer Diät senkt der Körper seinen Energieverbrauch. Er passt sich der Mangelsituation an. Diesen verringerten Umsatz behält der Körper auch nach der Diät noch bei. Die Folge: Die Pfunde kehren schneller wieder zurück, obwohl man nicht mehr isst als zuvor. Dauerhaft und gesund abnehmen sei nur mit einer änderung der Lebens- und Essgewohnheiten möglich, so Ernährungsexperte Mätze. Wer wirklich abnimmt, begreift das auch als Verbesserung seiner persönlichen Lebensqualität.

Zu wenig Bewegung, zu viele Kalorien.

Die meisten Menschen bewegen sich zu wenig, nehmen aber in Relation zur benötigten Menge an Kalorien zu viel Nahrung zu sich. Mit Bewegung ist Sport gemeint, aber auch die Bewegung im Alltag. Statt die Treppe zu nehmen, steigen wir in den Aufzug, fahren mit dem Auto statt mit dem Rad, gucken Fußball im Fernsehen, statt selbst zu spielen. Bei diesem Lebenswandel baut der Körper zu wenige Muskeln auf, um die aufgenommene Energie zu verbrauchen.

Wer sich selbst kasteit, bekommt zwangsläufig Heißhunger, der schwer zu bezwingen ist. So wird der Vorsatz, keine Schokolade mehr zu essen, den größten Appetit auf Schokolade hervorrufen. "Nicht dürfen" ist ein schlechter Vorsatz. Doch Qualität geht vor Quantität: Schokolade schmeckt zwar gut, trotzdem sollte sie nur in Maßen genossen werden. Zwei Stücke machen oft glücklicher als zwei Tafeln.

Mangelnde Esskultur

Unser Körper ist darauf getrimmt, Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, die viele Kalorien haben. In gewissem Umfang kann man sich das abtrainieren: Wer immer bis zur Übersattigung in sich hineinschaufelt, bekommt auch schneller wieder Hunger. Wer ein paar Tage nichts Süßes isst, hat auch nicht mehr so großen Appetit darauf. Ein weiter Grund dafür, dass viele Deutsche mit Ãœbergewicht zu kämpfen haben, liegt in einer mangelnden Esskultur.

Die Nahrung wird häufig nicht bewusst genossen, sondern nebenbei aufgenommen. Anstatt am Tisch zu sitzen, essen viele im Gehen, vor dem Fernseher oder auf dem Weg zur Arbeit. Ein positives Beispiel für Esskultur sind unsere Nachbarn in Frankreich oder Italien. Hier ist Essen ein gesellschaftliches Ereignis, für das man sich Zeit nimmt. Außerdem wird mehr für qualitativ gutes Essen ausgegeben.   

Lebensstil ändern

Wer weniger Energie zu sich nimmt, als er verbraucht, der nimmt ab. Verfolgen Sie diese Tipps:

  • Nachdenken - denn maßloses Essen hat Gründe. Der eine fühlt sich gestresst oder unglücklich, der andere hat niemals ein vernünftiges Essverhalten gelernt oder bewegt sich zu wenig. Nur wer den Grund für sein fehlerhaftes Essverhalten kennt, kann dieses ändern.
  • Dokumentieren Sie über einen gewissen Zeitraum hinweg, was Sie zu welchen Gelegenheiten essen, um ihre Ernährungsgewohnheiten aufzudecken. Daran erkennen Sie, wo Sie Abstriche machen können: Lieber das gemeinsame Essen mit Freunden genießen und auf die Chips vorm Fernseher verzichten.
  • Rat suchen - Ernährungsberater können Ihnen dabei helfen, Ihre Gewohnheiten zu ändern und Ihre Ernährung umzustellen.

Auf Dauer kann nur eine abwechslungsreiche Ernährung, die schmackhaft ist und satt macht und ausreichend Bewegung den Stoffwechsel und damit den Energieverbrauch des Körpers ankurbeln. Vollwertige Produkte und Gemüse und Obst gehören zu jeder Mahlzeit. Außerdem sollten Sie zwei bis drei Liter am Tag trinken, am besten Wasser.

Ihre Ernährungsmediziner

Dr. med. Armin Plaschke
Dr. med. Armin Plaschke
Dr. med. Matthias Hempel
Dr. med. Matthias Hempel