Dickes Fertiggericht

Viele Deutsche essen nicht gesund. Sie nehmen zu viel Zucker, zu viel Fett und zu viele Kohlenhydrate zu sich. Schuld daran sind unter anderem die vielen Fertiggerichte, sagen die Experten.

Ohne Glutamat würde die Trockensuppe aus dem Supermarkt oder manche Pizza aus der Tiefkühltruhe kaum genießbar. Der Geschmacksverstärker verleiht dem Fertiggericht eine intensiv-würzige Note und verstärkt herzhafte Aromen, wie die "Stiftung Warentest" jetzt in ihrer Zeitschrift "Test" berichtet. Die Folgen sind fatal: Glutamat mache mehr Appetit, unterdrücke auch noch ein für die Fettverbrennung zuständiges Hormon und führe so beim Konsumenten zu mehr Gewicht - mit den entsprechenden gesundheitlichen Konsequenzen, so die Verbraucherschützer weiter.

Doch weist "Stiftung Warentest" auch darauf hin, dass Glutamat nicht grundsätzlich zu verdammen sei. So kommt es zum Beispiel in Tomaten, Pilzen, Fleisch, Fisch und Hartkäse vor. In kleinen Mengen sei Glutamat sogar für den Körper wichtig. Ein Problem sehen die Verbraucherschützer allerdings in der massiven Zufuhr von Glutamat durch Fastfood.

Trend zum Übergewicht

Gerade für Senioren und Familien ist heute die Verlockung groß, sich im Supermarkt oder über einen Lieferservice mit tiefgekühlter Pizza, Suppen aus dem Becher oder anderen Fertiggerichten zu versorgen. Das spart viel Zeit und Mühe. Doch damit der Kartoffelbrei aus der Fertigtüte keine Matschpampe oder aus dem Gulaschessen aus der Schale keine wässrige Soße wird, brauchen diese als Zusatzmittel Verdickungsmittel, Aromen, Glutamat oder Stabilisatoren. Die Folgen für die Gesundheit können sein: Übergewicht und dadurch später Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Der Ernährungswissenschaftler Uwe Siedentopp geht sogar davon aus, dass Zusatzstoffe und Aromen für den rasanten Anstieg von Allergien verantwortlich sind.

Untersuchungen weisen darauf hin, dass es in der deutschen Bevölkerung immer mehr Übergewichtige gibt. Das Statistische Bundesamt zeigt beim deutschen Body-Mass-Index einen deutlichen Trend zum Ãœbergewicht bei den Erwachsenen. Das "Online-Familienhandbuch" verweist auf Untersuchungen, nach denen sich der Anteil übergewichtiger Jungen seit 1985 verdoppelt, der der Mädchen sogar verdreifacht hat. Schuld daran sei neben der falschen Ernährung auch der Bewegungsmangel.

Tiefgekühlt ist besser

Fest steht: Fertiggericht ist nicht gleich Fertiggericht. Wie die Tester der Zeitschrift "Ökotest" im Juli 2006 festgestellt haben, sind tiefgekühlte Essen besser als Menüs aus Schalen und Bechern. Richtig gesund und gleichzeitig lecker seien aber nur Fertiggerichte von "Frosta". Bei vorgefertigten Produkten wie geschälten Kartoffeln, bereits gekochter und geschälter roter Beete oder zugeschnittenem Salat muss zudem beachtet werden, dass die Haltbarkeit nicht viel besser ist als bei frischen Produkten.

Der gute Geschmack geht verloren

Eine gravierende Folge des zunehmenden Einsatzes von Fertigprodukten ist auch der Verlust an Geschmack. Durch die Geschmacksverstärker in Fertiggerichten oder auch so genannten Kindernahrungsmitteln geht vor allem bei Kindern der Geschmack für natürliche Produkte verloren. Diese erscheinen dann fade und künstlich, während industriell hergestellte Lebensmittel als natürlich und geschmackvoll empfunden werden. Wenn aber der Geschmack für gesunde und natürliche Ernährung verloren geht und zunehmend industriell gefertigte Lebensmittel mit Zusatzstoffen unseren Speiseplan bestimmen, bleibt auch bei vielen die gesunde Ernährung auf der Strecke.

Empfehlungen von "Ökotest"

  • Wenn Sie zu Fertiggerichten greifen, dann sind Gerichte aus der Tiefkühltruhe die bessere Wahl. Die beste Qualität bieten "Frosta"-Produkte, da "Frosta" auf Zusatzstoffe verzichtet und Kräuter statt Salz nimmt.
  • Wenn es schnell gehen soll: Einfache Gerichte wie Nudeln, Pfannkuchen oder kurzgebratenes Fleisch zubereiten. Ergänzen können Sie diese dann durch unbedenklichere Fertiggerichte wie Pesto, Apfelmus aus dem Glas oder Gemüse aus dem Tiefkühlregal.
  • Frische Salate, Kräuter und klein geschnittenes Gemüse untermischen und die Gerichte dadurch aufwerten. Denn Vitamine und Mineralstoffe sind in Fertiggerichten oft Mangelware.

Fertigsalate werden immer beliebter.

Auch wenn das Essen innerhalb weniger Minuten auf dem Tisch steht, im Vergleich zum Selbermachen sind Fertigprodukte oft richtig teuer. Das WDR-Magazin "Servicezeit: Geld" hat beispielsweise festgestellt, dass Currywurst mit Bratkartoffeln als Fertiggericht 3,18 Euro kostet und selber gemacht 1,22 Euro. Bei Pfannkuchen ist der Unterschied noch krasser: Das Fertiggericht kostet mit 1,87 Euro fünf Mal so viel wie der Selbstgemachte (0,42 Euro). Auch der beliebte Fertigsalat kostet den Verbraucher drei Mal mehr als der selbst geschnippelte. Nur bei der Fertigpizza ist der Preisunterschied zur Selbergemachten nicht besonders hoch (0,35 Euro).

Zehn Regeln für eine vollwertige Ernährung

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt folgende Regeln für den gesunden Speiseplan.

  • Vielseitig essen
  • Mehrmals am Tag Getreideprodukte
  • Obst und Gemüse - Nimm "fünf" am Tag
  • Täglich Milch und Milchprodukte, einmal in der Woche Fisch, Fleisch, Wurstwaren sowie Eier in Maßen
  • Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel
  • Zucker und Salz in Maßen
  • Reichlich Flüssigkeit
  • Schmackhaft und Nährstoffschonend zubereiten
  • Zeit für das Essen nehmen und es genießen
  • Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben

Ihre Ernährungsmediziner

Dr. med. Armin Plaschke
Dr. med. Armin Plaschke

Dr. med. Matthias Hempel
Dr. med. Matthias Hempel