Ernährung und Krebsvorbeugung

Unser Lebensstil beeinflusst unsere Gesundheit. Die Lebens- und Essgewohnheiten spielen auch bei der Entstehung vieler Krebsarten eine Rolle. Welche Krebsarten lassen sich durch die Ernährung beeinflussen, welche nicht? Wie ernährt man sich am besten, um das Krebsrisiko gering zu halten?

Gesund bleiben: Warum gehört die Ernährung zur Krebsprävention?

Essen ist Genuss, Kultur, Tradition - und eine schlichte Notwendigkeit. Ist es auch ein Grund zur Sorge? Hunger muss in Deutschland kaum noch jemand fürchten. Doch gerade in Zeiten der ständigen Verfügbarkeit von Lebensmitteln und diversen "Moden" scheint es immer komplizierter zu werden, sich richtig zu ernähren. Was ist gesund? Und was kann dem Körper schaden? Muss alles Bio sein? Reichen die Nährstoffe in der Nahrung, oder braucht man Vitamintabletten, um sich vor Krebs zu schützen? Dazu ist in den vergangenen Jahrzehnten viel geforscht worden. Bei allen nachgewiesenen Schadstoffen einerseits und den vielfältigen möglichen Schutz- und Vitalstoffen andererseits kommen Wissenschaftler heute zu dem Schluss: Eine abwechslungsreiche Kost, die reich an pflanzlichen Lebensmitteln ist, ist am besten geeignet, um das Krebsrisiko zu senken. Inzwischen weiß man auch, dass nicht nur zählt, was man isst: Auch die Energiebilanz und das Körpergewicht spielen eine große Rolle. Deshalb lässt sich eine gesunde Ernährung, die vor Krebs schützt, nicht von körperlicher Bewegung trennen.

Zusammenhänge:

Welche Krebsarten werden durch die Ernährung beeinflusst? Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht heute davon aus: Rund 30 Prozent aller Krebsfälle in den westlichen Ländern sind auf ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zurückzuführen. Körpergewicht, Bewegung und Ernährung beeinflussen das Risiko für die Krebsarten, die in Deutschland am häufigsten sind, wie etwa Brustkrebs, zumindest bei Frauen nach den Wechseljahren, oder Darmkrebs. Übergewicht ist dabei ein wesentlicher Risikofaktor. Das haben Studienauswertungen durch die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) und durch den World Cancer Reasearch Fund (WRCF) gezeigt. Die IARC geht davon aus, dass Übergewicht das Risiko für mindestens 13 Krebsarten erhöht. Aber auch die Zusammensetzung der Ernährung spielt eine Rolle: Es gibt Lebensmittel, bei denen Fachleute von einer schützenden oder risikosteigernden Wirkung ausgehen. So zählen beispielsweise ballaststoffreiches Getreide sowie Obst und Gemüse zu den risikosenkenden Lebensmitteln. Rotes Fleisch und Fleischerzeugnisse wie Wurst oder Schinken stehen im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen. Als gesichert gilt der schädigende Effekt von Alkohol. Der Konsum von Alkohol ist an der Entstehung von Mundhöhlenkrebs, Speiseröhrenkrebs, Lebertumoren und Dick- und Enddarmkrebs sowie von Brustkrebs (bei Frauen) beteiligt.

Details:

Einzelne Tumorarten, besondere Risikofaktoren In ihren Faktenblättern stellen die Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen, was an gesicherten Zusammenhängen vorliegt. Demnach gilt als gesichert: Übergewicht wird bei der WHO mit der Entstehung für mehrere Tumorarten in Verbindung gebracht, darunter Darmkrebs, Leberkrebs, Prostatakrebs, Brustkrebs, Gallenblasenkrebs, Gebärmutterkörperkrebs und Nierenkrebs. Mit dem Alkoholkonsum wächst laut WHO das Risiko von Krebs der Mundhöhle, des Rachenraums und des Kehlkopfes. Auch die Wahrscheinlichkeit, an Krebs der Speiseröhre, der Leber oder an Brustkrebs zu erkranken, erhöht sich mit zunehmendem Alkoholkonsum. Bewegung und Sport schützen vor Brustkrebs und Dickdarmkrebs.

Richtig auswählen:

Wie kann man durch gesundes Essen das Krebsrisiko senken? Will man sein Krebsrisiko senken, kommt es auf die gesamte Ernährungsweise an - es reicht nicht aus, sich nur auf einzelne Aspekte zu konzentrieren. Isolierte Nährstoffe in Tabletten- oder Pulverform sollte man nur bei einem tatsächlichen Mangel und in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arztes einnehmen. Woran kann man sich orientieren? International anerkannte Institutionen haben wissenschaftlich fundierte Empfehlungen herausgegeben. Allen ist gemeinsam: Sie beziehen sich nicht nur auf das, was man essen oder nicht essen sollte. Bei einem gesunden Lebensstil ist die Ernährung untrennbar von körperlicher Aktivität und der Vermeidung von Übergewicht.

World Cancer Research Fund Der World Cancer Research Fund (WCRF) ist eine weltweit tätige Organisation, die sich für Krebsprävention durch Ernährung und Bewegung einsetzt. Die Wissenschaftler des WCRF geben zur Vorbeugung von Krebs folgende Empfehlungen heraus:

  • Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht.
  • Bewegen Sie sich mindestens 30 Minuten täglich und versuchen Sie, weniger zu sitzen.
  • Vermeiden Sie sehr kalorienreiche Lebensmittel und auch zuckerhaltige Getränke (wie etwa Limonaden oder Fruchtsaftgetränke).
  • Verzehren Sie überwiegend pflanzliche Lebensmittel (Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte).
  • Reduzieren Sie den Konsum von rotem Fleisch und vermeiden Sie verarbeitete Fleischwaren (also zum Beispiel Wurst, Schinken oder Gepökeltes).
  • Vermeiden Sie Alkohol.
  • Reduzieren Sie den Salzkonsum und vermeiden Sie verschimmelte Getreideprodukte.
  • Vermeiden Sie Nahrungsergänzungsmittel.
  • Stillen Sie als Frau Ihr Kind für mindestens sechs Monate.
  • Die Lebensmittelvielfalt genießen Gemüse und Obst - nimm "5 am Tag"
  • Vollkorn wählen
  • Mit tierischen Lebensmitteln die Auswahl ergänzen
  • Gesundheitsfördernde Fette nutzen
  • Zucker und Salz einsparen
  • Am besten Wasser trinken
  • Schonend zubereiten
  • Achtsam essen und genießen

Warum gibt es keine Diät, mit der man Krebs vorbeugen kann?

Es gibt bislang keine Beweise dafür, dass einzelne Inhaltsstoffe oder Lebensmittel eine Krebserkrankung verhindern können. Einseitige Diäten, die auf ganz bestimmte Lebensmittel oder Nährstoffe setzen - sei es eine einzelne Gemüseart, ein besonderer Tee oder der Verzicht auf Kohlenhydrate - können mehr Schaden anrichten als dass sie nützen. Denn: Gezielte Krebsdiäten sind das genaue Gegenteil der gesunden Vielfalt und Ausgewogenheit, zu der Ernährungsexperten heute raten. Wer sich unsicher ist, ob seine Ernährung ausreichend ist oder die genannten Empfehlungen wegen Unverträglichkeiten nicht einhalten kann, sollte sich an seine Ärzte wenden.

Wirksame Krebsdiäten gibt es nicht – dieser Satz gilt auch für Menschen, die bereits an Krebs erkrankt sind. Bisher gibt es keinerlei Beweise dafür, dass man durch besondere Diäten, Entgiftungen, Saftkuren oder ähnliche Rezepte Krebs beeinflussen kann.

Ihre Ernährungsmediziner

Dr. med. Armin Plaschke
Dr. med. Armin Plaschke

Dr. med. Matthias Hempel
Dr. med. Matthias Hempel