Fitness per Pille

Doping im Freizeitsport

Doping ist nicht nur unter Profisportlern ein üblicher Fehlgriff. Auch im Freizeitsport werden Pillen und Pülverchen zur fragwürdigen Leistungssteigerung missbraucht. Schwere Nebenwirkungen inklusive.

Höher, schneller, weiter - diese sportliche Maxime hat längst ausgedient. Inzwischen dient Sport manch einem als Mittel zum (Selbstdarstellungs-) Zweck, um Fitness und Figur zur Best- und Festform zu trimmen. Frei nach dem Motto "schöner, stärker, schlanker" streben nicht wenige Trainings-Enthusiasten dem körperlichen Ideal entgegen. Und greifen dabei immer öfter zu den gewissen Mittelchen, die im Profisport für flotte Beine, ausdauernde Physis oder ein nimmermüdes Motivationsplus sorgen.

Freizeitsportler vs. Profisportler

Ein stressiger Tag mit viel Kaffee, eine Schmerztablette, ein Pülverchen mit Mineralstoffen oder bei Krankheit ein Medikament - im Alltagsleben erwischt wohl jeder hin und wieder eine dopingwürdige Dosis irgendeiner Substanz, die für Profisportler völlig tabu ist. Denn die müssen akribisch darauf achten, was Sie schlucken, um bei der nächsten Dopingkontrolle nicht positiv getestet zu werden. Ansonsten droht schnell der Verlust von Titeln, Medaillen, Starterlaubnis, Sponsoren und letztendlich auch finanzieller Versorgung.

Hobbysportler hingegen haben solcherlei Sanktionen nicht zu befürchten und rutschen leicht in einen Missbrauch unerlaubter Mittel hinein. Experten schätzen die Zahl der Freizeit-Doper in Deutschland vorsichtig auf 200.000, räumen aber auch ein, dass es weitaus mehr sein könnten. Studien zufolge konsumiert jeder siebte Freizeitsportler regelmäßig oder gelegentlich Anabolika und jeder dritte hat zumindest schon mal etwas "probiert". Ursachen für das "Freizeitdoping" sind:

  • Der Körper zählt: Insbesondere in der Bodybuildingszene, im ambitionierten Fitnessbereich oder unter Extremsportlern ist die Einnahme von leistungssteigernden Substanzen verbreitet.
  • Juveniler Männlichkeitswahn: Zunehmend sind unter den Betroffenen auch männliche Jugendliche, die mit ihrem pubertierenden oder schmächtigen Körper hadern und in kürzester Zeit Muskelberge aufbauen wollen.
  • Weibliches Schönheitsdiktat: Auch Frauen, die partout dem gesellschaftlichen Diktat von Schlankheit und durchtrainiertem Körper folgen möchten, greifen zu Tabletten & Co. - aber deutlich seltener als Männer.
  • Wider die Altersweisheit: Selbst ältere Sportler frönen dem gesellschaftlich oktroyierten Körperkult, Jugendlichkeitswahn und Leistungsdruck in ihrer Freizeit - unter Zuhilfenahme manches Medikamentes.

Die Top 5 der Freizeitsportler

Fest steht: Freizeitsportler greifen überwiegend zu Arzneimitteln wie Stimulanzien oder Hormonen, um Fitness und Form ein klein wenig auf die Extra-Sprünge zu helfen - oft als gefährlicher "Cocktail" aus mehreren Medikamenten. Ein Überblick über Wirkstoffe, Wirkungsweisen und Risiken:

  • Stimulanzien: Aufputschmittel wie Ephedrin, Kokain und Amphetamine steigern Risikobereitschaft und Leistungsfähigkeit, verhindern Müdigkeit und die Einschätzung der eigenen Grenzen. Sie finden Anwendung vor allem im Ausdauersport. Risiken: Herz-Kreislauf- und Schlaf-Störungen, Nervosität, Angstzustände, körperlicher Zusammenbruch und Organversagen.
  • Anabolika: Anabole Steroide sind Abkömmlinge männlicher Sexualhormone, die Muskulatur und Knochen aufbauen sowie Körperfett reduzieren. Werden vor allem im Kraftsport als "Kuren" eingesetzt. Risiken: Aggressivität, Akne, Lebererkrankungen, Unfruchtbarkeit und sogar Tod, bei Männern: Impotenz, Wachsen des Brustmuskels und Hodenschrumpfung, bei Frauen: Menstruationstörungen und Vermännlichung, bei Jugendlichen: Wachstumsstörungen
  • Peptidhormone: Erythropoetin (Epo) erhöhen die Menge roter Blutkörperchen im Blut. Die verbesserte Sauerstoffversorgung lässt die Ausdauer enorm ansteigen. Wachstumshormone bauen Fett ab und Muskulatur auf - häufiger Missbrauch im Bodybuilding. Risiken: Herz-Kreislauf- bzw. Wachstums-Störungen bis hin zu Schlaganfall oder verkürzte Lebenserwartung.
  • Narkotika: Medikamente wie Methadon oder Morphin unterdrücken die Schmerzen bei exzessivem Training oder im Wettkampf. Risiken: Überlastung, Verletzungen und Schäden durch fehlende Warnsignale per Schmerz, Atemlähmung oder Hirnschaden.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Vitamine, Eiweiße, Mineralien oder Ballaststoffe in Tabletten- oder Pulverform sollen die körperliche Fitness und die Anpassungen an das Training beschleunigen. Risiken: Produkte sind oft mit Dopingsubstanzen verunreinigt.

Der Schwarzmarkt, der keiner ist

Einen dubiosen "Schwarzmarkt" braucht es nicht, um die Mittelchen an den Mann und die Frau zu bringen. Im Ausland oder Fitnessstudio sowie per Internet oder sogar Arztrezept findet das überehrgeizige Sportler-Herz leicht das Begehrte. Im Netz ist vom Nahrungsergänzungsmittel bis hin zu Anabolika so ziemlich alles zu bekommen - inklusive Dosierungstipps in Diskussionsforen und Erfahrungsberichten von Pillenschluckern. Zumeist wird dort mit Erfolgen geprahlt und die Gefahren werden verharmlost. Die Gefahr: Der unkontrollierte Bezug von Medikamenten übers Internet liefert keine Garantie für die Echtheit oder Reinheit der Produkte - schwere Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen.

Ihr Sportmediziner

Dr. med. Matthias Hempel
Dr. med. Matthias Hempel